Silbernes Priesterjubiläum von Pfarrer Berkefeld

Gedanken und Einladung zum Jubiläum

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste in Hl. Engel!

Als ich vor etwas mehr als 30 Jahren mit meinem Studium begann, hatte unser Bistum noch zwei Studienhäuser, zwischen denen wir Priesterkandidaten wählen konnten: Eines in Münster und eins in Frankfurt/Main, wo ich schließlich hinging. Dort wohnten und studierten 110 Priesterkandidaten aus den Bistümern Limburg, Hildesheim und Osnabrück/Hamburg.

Ich erinnere mich noch gut an einen der ersten Abende in der Einstiegswoche für die Studienanfänger: Ein älterer Seminarist saß sehr ernst und bedrückt in der Runde von uns „Neuen“ und erzählte, was er in den Semesterferien erfahren hatte: In seinem Bistum musste ein Pfarrer eine zweite Gemeinde übernehmen! Der vielbeschworene Priestermangel, er war da! Ein Priester, zwei Gemeinden – wie sollte das gehen? Mit ein wenig Grusel malten wir die Zukunft aus, vielleicht würde es früher oder später jeden Priester treffen? Das Thema wurde sehr ernst genommen, immerhin ging es um ein Priester-/Pfarrerbild, das ins Wanken geriet, und die Frage, ob man sich unter solch drohenden Vorzeichen überhaupt auf den Weg des Priesterwerdens machen sollte. Ich wollte.

Heute gibt es das Studienhaus in Münster nicht mehr, nur noch das in Frankfurt. Dort wurde das alte Seminargebäude mit seinen 110 Zimmern abgerissen, im Neubau gibt es jetzt 30 Zimmer, und die Priesterkandidaten kommen nicht mehr aus 3, sondern aus mindestens 7 Bistümern.

Vor 25 Jahren wurde ich am 10. Oktober zum Priester geweiht. Weiß Gott, ich hatte eine andere Vorstellung wie mein Leben als Priester aussehen würde. Doch eine Gemeinde wie in meiner Kindheit (eine Gemeinde-ein Pfarrer), in der ich meine Berufung zum Priester erspürte, habe ich nirgends mehr erlebt. Seit zwei Jahren bin ich als leitender Pfarrer von 4 Pfarreien, mit 10 Kirchen und 3 Kapellen, mit 23.000 Katholiken in einem Team von pastoralen Mitarbeitern tätig. Die vier Pfarreien selbst sind auch schon das Ergebnis von mehr oder weniger gelungenen Fusionen aus vormals 9 selbständigen Pfarreien. Auch abgesehen vom Offenbarwerden der Katastrophe des Missbrauchs von Priestern an Kindern und der damit verbundenen Krise des Priestertums in unserer Kirche, ist alles so anders gekommen, weitaus anders als ich es mir damals im Studium hätte ausmalen wollen. Aber ob es richtig war, Priester werden zu wollen, habe ich mich nie gefragt.

Ich will und kann die Situation nicht schönreden: unsere Kirchen werden leerer; die Arbeitsbelastung für alle nimmt zu, manchmal ist es wirklicher Stress; das gesellschaftliche Interesse an den Antworten des christlichen Glaubens nimmt ab, eine ablehnende, manchmal fast feindselige Stimmung gegenüber der Kirche nimmt zu; aber ... ich erlebe auch viel Schönes: Ich erlebe ein unglaublich hohes Verantwortungsbewusstsein und Engagement von Ehrenamtlichen, die mit mir arbeiten. Ich erlebe konstruktives Ringen um neue Wege in meinen Gemeinden und die Suche nach ehrlichem Glauben. Ich habe Mitarbeiter, die Sorgen und Lasten mit mir tragen. Ich fühle mich willkommen in den Gemeinden und Kirchen, in denen ich Gottesdienste feiere. Ich selbst feiere die Gottesdienste gern, ich fühle mich durch sie getragen und bestärkt. Ich bin gerne hier.

Am 10. Oktober werde ich in Rom sein, dem Ort meiner Priesterweihe. Am 20. Oktober aber möchte ich in St. Oliver eine Dankmesse feiern für all das, was ich in den vergangenen 25 Jahren als Priester tun und erfahren durfte. Es würde mich freuen, wenn Sie sich diesem Dank anschließen mögen und lade herzlich ein zu Gottesdienst (11:00 Uhr) und anschließendem Empfang.

Ihr Pfarrer Berkefeld